Eines morgens wachst du in deinem Hotelzimmer auf. Du liegst am Boden und trägst nur noch deine vermutlich halb zugeschissene Unterhose. Ein stechender Kopfschmerz setzt ein, sobald du auch nur einen Gedanken daran verschwendest, deine Augen zu öffen. Und dennoch tust du es. Mit aller Kraft vermagst du es, aufzustehen und dich auch noch auf deinen wackeligen Beinen zu halten. Du siehst dich um. Und weisst trotzdem nicht, wo du gerade bist. Gemeinsamkeiten mit einem üblichen Hotelzimmer hat der Raum eigentlich nicht mehr.
Das Bett sieht aus, als hätte sich eine Kuh darin gewälzt. Scherben liegen auf dem Fussboden – sie stammen wohl von dem Fenster, durch das jemand etwas geworfen hat. Die Musikanlage ist zertrümmert, das Tonband wurde herausgerissen und liegt verteilt über dem Boden. Es riecht nicht gut.Der Schädel hämmert, als würde gerade der 3. Weltkrieg darin stattfinden. Zeit, das Badezimmer aufzusuchen. Auch da roch es vermutlich schon mal besser. Mit mobilisierten Kräften, die aber von den aus dem Mund-Nasen-Rachen-Bereich emporsteigenden Alkoholdämpfen wieder abgeschwächt werden, wischst du den Staub und Dreck vom Spiegel, um einen Blick von deinem vermutlich wunderschönen Antlitz zu erhaschen.
Du weisst nicht, warum du es tust, aber offenbar ist es eine Angewohnheit der menschlichen Spezies, nach einem Totalabsturz den Versuch zu wagen, im Spiegel das eigene Gesicht zu erkennen. Und in diesem Fall gefällt dir überhaupt nicht, was du siehst. Von Blutäderchen durchzogene Augäpfel, deren Weiss als solches kaum mehr zu erkennen ist, aufgedunsene, stark gerötete Wangen, eine Nase, die die Bezeichnung als solche eigentlich auch nicht mehr verdient hätte. Du bist ein hässliches, fettes, versoffenes Schwein. Das macht dir auch dein Gehirn gerade klar, mit dem du dich unterhältst. Schnell wird dir klar, dass du eine innige Beziehung zu deinem Innersten pflegst. Dein Gehirn ist dein Kumpel, dein Verhängnis.
„Na gut, Gehirn… suchen wir mal eine Hose. Und ein Hemd. Und vielleicht eine Jacke… und finden wir raus, wer ich eigentlich bin, woher ich komme und was zur Hölle ich hier drin gemacht habe.“ Das gesagt, drehst du dich um, wendest deinem Spiegelbild den Rücken zu, und hoffst, dass du es so schnell nicht mehr zu Gesichst bekommst. Deine Kleidungsstücke liegen wild verteilt in der Wohnung – sind aber wenigstens noch an einem Stück. Auch wenn… sie natürlich nicht mehr wirklich gut riechen. Mühsam suchst du sie zusammen, stülpst sie dir über deine gichtgeplagten Gelenke und machst dich mental bereit, die noch heile Tür deines Zimmers zu öffnen, während du bemerkst, dass du nur einen Schuh anhast. Einen türkisgrünen Schuh, den dir vermutlich irgendwann in der Vergangenheit ein orientalischer Schuhmacher aus Schlangenleder gefertigt an.
„Wo zum Teufel ist der andere Schuh“ – der Gedanke plagt dein immer noch vor sich hinhämmerndes Hirn, bis dir ein schmerzhafter Gedankenblitz vor Augen führt, dass du ihn vermutlich in der vergangenen Nacht aus dem Fenster geschmissen hast. Wer wohl für diese Rechnung aufkommen wird? Schliesslich sind deine Hosensäcke so leer wie der Inhalt deiner Eier, die zum Glück noch irgendwie zwischen deinen Beinen rumgammeln. Du öffnest also diese verdammte Tür und erblickst draussen eine halbfertige Hure, die du eigentlich am liebsten gleich besteigen würdest. Deine Urinstinkte funktionieren also noch. Noch sprichst du sie aber nicht an – du kannst sie nicht mit nur einem Schuh an deinen Füssen ansprechen. Wie die wohl riechen…
Du machst dich auf den Weg auf den Balkon, der das eingeschmissene Fenster verziert und findest da tatsächlich den vermissten Schuh. Es ist also nicht die Welt, die aus den Fugen geraten ist. Du bist es, der wankt. Du ziehst dir den anderen Schuh über den nur mit einer stinkenden Socke bekleideten Fuss und fasst all deinen Mut zusammen und gehst, sämtlichen wideren Umständen zum Trotz, wieder rein zu der hübsch eingekleideten Dame aus dem – vermutlich – horizontalen Gewerbe und sprichst sie an. Sie nennt dich Officer – und du verstehst die Welt nicht mehr. „Ich bin was? Ein Officer? Was für ein Officer?“. Sie gibt dir lächelnd zu verstehen, dass du Polizist bist. Aber wo ist deine Marke? Wo deine Dienstwaffe? Und überhaupt? WER ZUM ZUGEÖLTEN GEIER BIST DU? Und WIE hat es dich in diese Absteige verschlagen?
Getrieben von deinem Fortpflanzungswahn fragst du sie mit der halbgeladenen Kanone zwischen deinen Beinen, ob sie mit dir ficken möchte. Was solltest du nach so einer Nacht und mit so einem verwirrten Inneren auch sonst fragen? Du hältst dir zugute, dass du vermutlich eh nichts mehr zu verlieren hast.Sie aber hofft, sich verhört zu haben und gibt dir zu verstehen, dass du vermutlich nicht die geeigneten finanziellen Mittel hast, um dir auch nur eine einzige Berührung von ihr leisten zu können.Eines der vielleicht eindrücklisten Rollenspiele seiner Art nimmt seinen Lauf…
und wenn euch das, was ihr vielleicht gerade gelesen habt, gefallen hat, dann spielt um Himmels Willen dieses Spiel