F-Zero: Nicht tot, aber… irgendwie doch?

Man hat es als Fan von Videospielen nicht immer einfach. Gerade dann nicht, wenn man sich als Anhänger einer Spielereihe betrachtet, deren Entwickler aka Hersteller sich vehement und seit rund 18 (achtzehn!) Jahren weigert, ja, weigert, einen neuen Haupteil für eine Hauptkonsole zu entwickeln. Tatsächlich wurde F-Zero GX, das man wohl nach wie vor als den Gipfel zukunftsorientierter Rennspielkunst bezeichnen kann, im Juli 2003 für den Nintendo GameCube veröffentlicht.

Zwar hat man mit F-Zero Climax im Jahre 2004 noch das dritte Handheld-Kapitel auf dem Game Boy Advance veröffentlicht – dies allerdings nur in Japan. Woran also liegt’s? Legen wir mal ein paar Zahlen und Fakten auf den Tisch:

F-Zero GX: Kann einen Metacritic-Schnitt von 89 vorweisen, hat sich gemäss Producer Toshihiro Nagoshi weltweit 1.5 Millionen mal verkaufen können. Allerdings ist die Zahl mit Vorsicht zu geniessen, da Nintendo selbst eine Liste mit Gamecube-Spielen veröffentlicht hat, die sich mindestens 1 Million mal verkauft haben – und da war GX leider nicht dabei. Allerdings hat sich GX sowohl in den USA wie auch Europa für die „Player’s Choice“-Reihe von Nintendo qualifizieren können – einem Marketing-Label von Nintendo, mit Spiele, die sich besonders gut verkauft haben, mit einem günstigeren Preis nochmals gesondert präsentiert wurden.

F-Zero X: Kann einen Metacritic-Schnitt von 85 vorweisen und hat sich gemäss vgchartz.com 1.1 Millionen mal verkaufen können. Entgegen dem grafisch opulenten GX wies F-Zero X einen Low-Polygon-Look auf, der aber einen hohen Wiedererkennungswert bietet. Das hatte allerdings auch einen Grund: Den Serienproduzenten lag es am Herzen, den pfeilschnellen Racer mit 60 Bildern pro Sekunde über die Mattscheiben der Welt flimmern zu lassen, was auf dem N64 Seltenheitswert hatte.

F-Zero: Kann einen Mobygames-Wertungsschnit von 80 vorweisen und hat sich auf dem SNES in Windeseile, auch dank seiner Mode-7-Effekte, Kultfaktor erkämpft. Die Verkaufszahlen liegen hier bei 2.85 Millionen.

Die drei Mainline-Titel (Quelle: nintendo.ch/de/co.jp)


Sicherlich: Es gibt zahlreiche Spieleserien aus dem Hause Nintendo, die für die Verkaufszahlen der F-Zero-Reihe, die inkl. den Handheld-Ablegern vermutlich nicht mal die 6 Millionen knackt, nur ein müdes Lächeln übrig haben. Mario Kart 8 Deluxe für die Switch zum Beispiel, und das ist wohlgemerkt eine Wiederveröffentlichung eines Wii U-Spiels, hat sich allein schon über 33 Millionen mal verkauft. Doch sind die F-Zero-Verkaufszahlen deswegen schlecht? Mitnichten.

Es gibt, mich mal ausgeschlossen, nicht wenige F-Zero-Fans da draussen, in der weiten Welt. Und man hält sie seit Jahren hin. Verpasst ihnen sogar die eine oder andere Ohrfeige. Wir erinnern uns: In der 2012 für die Wii U veröffentlichten Spielesammlung „Nintendo Land“ gab es ein Minispiel namens Captain Falcon’s Twister Race. Und in besagtem Mario Kart 8 gibt es sogar an F-Zero angelehnte Rennstrecken und den Blue-Falcon-Gleiter als fahrbaren Untersatz. Man könnte durchaus sagen, dass Nintendo der Franchise mehrmals Respekt gezollt hat – doch für nicht wenige Fans der Reihe, die seit bald zwei Dekaden auf eine richtige Fortsetzung warten, waren das eben nur Feigen für die Ohren.

F-Zero, SNES / 1990 (Quelle: pcgames.de)


Von der Fachpresse wurde Nintendo, darunter auch personelle Aushängeschilder wie Shigeru Miyamoto, über die Jahre immer wieder mal nach einem neuen F-Zero gefragt. Und, mit leichten Abandlungen, gab es immer die gleiche Antwort: „Um die Serie fortsetzen zu können, braucht es neue Ideen“. Ins gleiche Horn blies kürzlich auch Ex-Nintendo-Designer Takaya Imamura in einem Interview mit IGN. Er sagte: „F-Zero isn’t dead, it is a series that is hard to bring back without a grand idea“.

Ich sag euch jetzt mal was: Nintendo hatte bislang absolut kein Problem damit, praktisch jedwede Spielereihe entweder fortzusetzen oder auf die Nintendo Switch rüberzuporten, um eher schwächere Verkaufszahlen, die auf Vorgängersystemen wie beispielsweise der Wii U verzeichnet wurden, aufzuwerten. Selbst Nischentitel wie Pokkén Tournament oder Captain Toad: Treasure Tracker. „Hard to bring back without a grand idea“? Nun ja – es scheint auch ganz ohne grossartige Ideen zu gehen.

F-Zero X, N64 / 1998 (Quelle: n64today.com)


Warum also die Vernachlässigung von Franchises wie F-Zero? Oder scheint sich die Frage angesichts von Aussagen wie „F-Zero made sense at the time“ (Shigeru Miyamoto, 2012) gar nicht mehr zu stellen? Glauben die Japaner nicht mehr an die F-Zero? Doch warum wurden F-Zero und F-Zero X immer wieder für Virtual Console oder die SNES-App der Switch wiederveröffentlicht? Reiner Fan-Service aka Cash-in? Ist die „grossartige Idee“, die es allem Anschein nach benötigt, eigentlich nichts weiter als eine faule Ausrede, um eine uninteressant gewordene Reihe nicht mehr fortsetzen zu müssen? Hatten etwa Zelda: Breath of the Wild, Mario Kart 8 (Deluxe), Fire Emblem oder Super Mario Odyssey irgendwelche bahnbrechenden und grossartigen Ideen, die weder in einem der Vorgänger noch bei einem Konkurrenzprodukt vorhanden waren? Oder sind Spiele, die sich potentiell „nur“ 1 Million mal verkaufen, mit dem Erfolg der Wii und Switch schlicht und ergreifend uninteressant geworden? Es ist die Erklärung, die ich mir von allen am wenigsten erhoffen würde – zumal sich Nintendo angesichts all des Erfolges und der Switch-bedingten Geldschwemme wohl auch locker mal einen Flop leisten könnte. Sicherlich – aus unternehmerischer Sicht wenig sinnvoll.

F-Zero GX, NGC / 2003 (Quelle: gamezone.de)


Also, Nintendo möchte Ideen? Bitte sehr:

Nintendo, du brauchst nicht mal gedankliche oder finanzielle Ressourcen für einen Nachfolger zu verschwenden. Die perfekte Grundlage hast du 2003 zusammen mit SEGA abgeliefert. Nimm F-Zero GX, verpass ihm das HD-Treatement (GX schaut auch heute noch mehr als ansehnlich aus) und spendier dem Teil einen Online-Multiplayer mitsamt Streckeneditor. Fertig! Easy! Wenig Aufwand und mit der vorhandenen Switch-Basis wohl garantiert in der Gewinnzone.

Und wenn du ganz verrückt bist: Wie wär’s noch mit einem Charakter-Editor? Wie wär’s mit Gast-Rennstrecken aus Mario Kart, um die Sache mal umzukehren? Es sind ganz einfache, grundlegende Dinge, die bereits ausreichen würden, um eine treue Fangemeinschaft überaus glücklich zu machen.

Nochmals: Wenn schon kein Nachfolger im Bereich des Möglichen liegt, so nehmt doch um Himmels Willen das fast perfekte GX und macht es mit ein paar kleinen, aber feinen Änderungen noch besser.

…ich flehe euch an!

Gezeichnet: Ein Fan

Veröffentlicht von radiant_ch

Pilger Hyperions, Hubraum-Prediger, Wort-Kreator & stolzer Papa. Gamer mit 30+ Jahren Erfahrung und Metalhead aus Leidenschaft.

2 Kommentare zu „F-Zero: Nicht tot, aber… irgendwie doch?

  1. Unterschreibe ich alles, bis auf die Aussage, dass Breath of the Wild keine eigenen innovativen Ideen gehabt hätte. 😉
    Ach, und Mario-Kart-Strecken will ich auch nicht in F-Zero. Aber sonst, doch, unterschreibe ich alles. 😉

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    1. Hat zwar etwas gedauert, aber danke für deinen Kommentar Kevin! Breath of the Wild hatte – auf die Serie bezogen – durchaus Innovationen. Aber irgend etwas bahnbrechendes oder revolutionäres, was es so in anderen Spielen oder in anderer Form noch nicht gegeben hätte? Da wäre ich mir rückblickend nicht so sicher :). Sollte natürlich keine Abwertung von Breath of the Wild sein. Finde das Spiel super und hab da x Stunden reingebuttert :).

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