Super Mario RPG (Remake) – Review

Nach nicht einmal 15h (ich glaube es waren 14h 10min) flimmerte der Abspann über den Bildschirm. Das könnte man bereits als Kritikpunkt verstehen, ist es aber ganz und gar nicht. Wenn ich „RPG“ höre, geht mir automatisch immer „50-Stünder“ mit durch den Kopf und die Wahrscheinlichkeit, dass ich es jemals beende, sinkt mit jeder weiteren nötigen Spielstunde :ugly: … naja, ganz so schlimm ist es natürlich nicht, aber es ist schon so: Man ist bald 40 Jahre alt, Vater des Jahres von zwei Kindern… und wenigstens einer davon ist gerade in einem Alter, in dem man ihn wunderbar in die Welt der Videospiele einführen kann. Und hier kommt so ein kurzes, knackiges Rollenspiel mit mehr als kindertauglicher, aber für Erwachsene deswegen nicht weniger geeigneten Atmosphäre genau richtig.

Ich  meine… man muss sich  mal in den Kopf meines Vierjährigen versetzen: Er kennt Mario und Bowser – er hat schon diverse Mario-Games mit mir durchgezockt und selbstverständlich war Bowser immer der Böse. Wir spielen auch „Du bisch de bösi Bowser und ich be de Mario“ auf unserem Dachboden :ugly:  . Und jetzt zeigt diesem Vierjährigen mal den Trailer zu Super Mario RPG und wartet den Moment ab, in dem er feststellt, dass Mario und Bowser Seite an Seite kämpfen – unerwartet herrlich! Die Umstände, unter denen es überhaupt so weit kommt, sind natürlich so skurril wie typisch: Es geschieht nicht alle Tage, aber eines Tages im Pilzkönigreich geschah es. Der böse Schmiedrich schmetterte ein gewaltiges Schwert auf die Erde hernieder. Dabei wurde die Stenrenstrasse zerstört und das gewaltige Teil durchbohrte Bowsers Heiligstes: Seine Burg. Mario, der gerade dabei war, die Prinzessin mal wieder aus den Klauen der fürchterlichen Kröte zu befreien, und Bowser, der ihn gerade versuchte, davon abzuhalten, wurden mit Gewalt aus ihrem Kampf gerissen und in die weite Welt geschleudert.

Genau so in die Welt geschleudert wurden auch die Stücke des Sterns, der beim gewaltsamen Abstieg des Schwertes in sieben Stücke zerbrach (hier setzt der originale Untertitel des 1996 erschienenen SNES-Originals „Legend of the Seven Stars“ ein). Marios Mission:

1) die Prinzessin finden
2) die sieben Bruchstücke finden

… dass es auch noch einen Punkt „1.5“ gibt und dieser beinhaltet, sich mit Bowser zu verbünden, um a) über gleichwertige Chancen zu verfügen und b) dabei die gleichen Ziele verfolgen zu können, daran hätte Mario wohl nicht im Traum gedacht. Und träumen darf sowohl er zwischendurch in seinem Abenteuer (immer wieder kann man sich in Hotels aufs Ohr hauen und dabei die allerputzigsten Schlafanimationen überhaupt bewundern!), als auch der Spieler: Denn seien wir mal ehrlich: Wer bitteschön versteht es besser als Nintendo, selbst auf so angestaubter Hardware noch so eine Traumoptik rauszuholen und so eine zeitloses Design abzuliefern? Dieses Remake sieht einfach arschgeil aus! Und zwar jeder einzelne Winkel davon. Sicher, könnte man jetzt anführen – man durchstreift auch keine riesige Open World à la Tears of the Kingdom… die einzelnen Abschnitte sind sehr überschaubar und selbst die verschiedenen Welten an sich bestehen aus kaum mehr als einer handvoll davon (manche mehr, manche weniger), aber diese sind dafür intensiv und vollgespickt mit Geheimnissen, witzigen Gegnern und Kämpfen (alleine die Namenswahl der verschiedenen Gegnerarten sind super).

Die Spielansicht ist isometrisch, die Kämpfe dagegen rundenbasiert – und sie verfügen über einen eigenen, speziellen Kniff. Die Aktionstaste, mit der man, nun ja, die verschiedenen Aktionen der Kämpfe auslöst, ist kontextsensitiv. Drückt man sie bei einem Angriff im richtigen Moment nochmal, erhöht sich nicht nur der Schaden deutlich, auch allfällige weitere Gegner bekommen einen Teil des Schadens mit ab. Umgekehrt funktioniert das auch, wenn der Gegner einen Angriff ausführt – im richtigen Moment die Taste gedrückt, blockt man den Angriff zu 100%. Das Spiel zeigt an, falls der Gegner eine Aktion ausführt, die sich nicht blocken lässt.

Das führt zusammen mit weiteren witzigen Mechaniken zu einem sehr sehr flüssigen und actionreichen Kampfsystem, welches zwar zweitweise entwas unterfordert, in den richtigen Momenten aber durchaus für viel Spannung sorgt. Darüber hinaus gibt es diverse Abschnitte, in denen mehr als nur reine Muskelkraft gefragt ist. Auch die grauen Zellen wollen ab und zu gefordert werden. Super Mario RPG kratzt mit seinen Systemen zwar in gewisser Hinsicht fast nur immer an der Oberfläche dessen, was andere Titel vom Band lassen, aber gerade das ist irgendwie auch der Punkt: Es müssen nicht immer Systeme sein, deren Einarbeitung 20 Stunden benötigen. Hier geht einfach alles locker flockig von der Hand und macht einfach Spass – praktisch alles ist sofort verständlich und eingängig – und trotzdem wird es nie langweilig, weil ständig Neues geboten oder freigeschaltet wird.

Ich kann das Teil echt nur empfehlen – und wer kann, zockt es mit seinen Leibeigenen durch. All zu viel Zeit wird nicht benötigt und Klein wie Gross haben definitiv ihren Spass an diesem Titel. Dieses Remake – dieses Spiel per se – ist so liebevoll gemacht. Ganz toll. Monieren könnte man aber allenfalls, dass die ganzen „Rüstungsteile“ keinerlei optischen Einfluss haben, sondern lediglich andere Statuswerte mit sich bringen. Ganz anders die Waffen der Truppe. Und ja es gibt ein paar Momente, in denen die Performance so komisch rumstottert – zu 99% läuft Super Mario RPG allerdings mit butterweichen 60fps.

9/10

Veröffentlicht von radiant_ch

Pilger Hyperions, Hubraum-Prediger, Wort-Kreator & stolzer Papa. Gamer mit 30+ Jahren Erfahrung und Metalhead aus Leidenschaft.

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