Diablo IV geht zumindest bei mir in einem Punkt in die Geschichtsbücher ein: Es ist das letzte Spiel, das ich 2024 durchgespielt habe. Zumindest wenn es zählt, die Kampagne durchgespielt und die erste „Mission“ des Baumes beendet zu haben. Ich denke aber schon. Beim Endgame wird sich zeigen müssen, wie lange meine Motivation dafür anhalten wird.
Das hier soll nun aber auch kein Verriss werden. Diablo IV ist… gut? Es spielt gekonnt seine Stärken aus – und dazu gehören ein flüssiger Gameplay-Loop, Loot an allen Ecken und Kanten, der die ingame vorhandenen Händler eigentlich völlig obsolet macht, die immer wieder erreichten Spitzen in der Geschichte, die durch hervorragende CGI-Sequenzen begleitet werden. Insbesondere, als die Armeen der Menschen in die Hölle und gegen die Armeen der Hölle marschieren – zünden Blizzard ein opulentes und filmisches Feuerwerk, das ziemlich Eindruck hinterlassen hat.

Blizzard selbst spricht auf der eigenen Diablo IV-Website von einer „Schlittenfahrt in die Hölle“ – spricht dabei zwar einen saisonalen Goblin-Event an, hat damit aber auch unbeabsichtigt Diablo IV ziemlich gut zusammengefasst. Diablo IV ist nicht dafür bekannt, sonderlich schwer zu sein – das war schon Diablo III nicht. In der gesamten 20-stündigen Kampagnenreise mitsamt ein paar Nebenschauplätzen bin ich ein einziges Mal gestorben und das war dem Umstand geschuldet, dass ich kurz nicht aufgepasst habe, als mein Lebenstank die Nullmarkierung erreicht hat – und das war während eines regulären Kampfes mit dämlichen Gift-Mobs. Diablo IV hat aber wohl auch nicht den Anspruch, sonderlich anspruchsvoll mit dem Schwierigkeitsgrad zu sein – es würde sich ansonsten selbst widersprechen. Es würde den eigenen Gameplay-Loop torpedieren, der sowohl flüssig wie auch fastpaced daherkommt.
Das Gameplay per se – Dialoge skippen, Questmarker verfolgen, Mobs schlachten, Bosse töten, dabei tonnenweise Loot sammeln, den Ausrüstungsbildschirm öfter als die eigene Schwiegermutter sehen – macht ja auch wirklich Spass. Das kann Diablo, das können Blizzard einfach. Und optisch / atmosphärisch macht das Ding ziemlich viel her. Qualitativ gesprochen. Wenn wir nun aber den Abwechslungsreichtum der Biome anschauen, das Design der offenen Map… dann macht sich sprichwörtliche Langeweile breit. Es fühlt sich so an, als würde D4 aus einem Entwicklerbaukasten für Anfänger stammen, wo nur die wichtigsten Regionen / Gebäude handgemacht sind. Klar ist eine Steppe eine Steppe.. da darf und soll mal der Steppenbusch vorbeirollen und das war’s dann mit „Attraktionen“ – aber bei Diablo IV besteht gefühlt die ganze Map aus diesem rollenden Steppenbusch. Zwar gibt es verschneite Regionen, Wüsten, Wälder, Sümpfe… aber die sehen irgendwie alle gleich aus. Wenn man es da wagt, einen Vergleich mit Path of Exile II zu ziehen, dann trifft einen fast der Schlag.

Was mir während der ganzen Zeit in Diablo IV ebenfalls nicht so gepasst hat, ist das kleine Inventar. Das wirkt im Vergleich zum wirklich zahlreichen Loot einfach deplatziert. Ging das wirklich nicht grösser, Blizzard? Klar kann ich mich jederzeit in eine Stadt teleportieren und das Zeugs dort verkaufen. Aber ich will das ja nicht ständig. Ich säubere gerade eine Kathedrale, die drölfzigste Höhle, den zwanzigsten vermoderten Keller.. ich will mich nicht jedes Mal irgendwo hin teleportieren, wo ich dann erst wieder einen Händler suchen muss, bei dem ich auch verkaufen kann. Und ja… die Städte mit ihren Händlern.. ich habe es bis zum Schluss nicht geschafft, die Händlersymbole ausser denen für Schmied und Waffen zu indentifizieren
… egal.
Vessel of Hatred soll ja im einen oder anderen Bereich vieles besser machen. Ich bin aber etwas zwiegespalten darüber, ob ich mir die Erweiterung noch holen soll. Sollte mich meine Frau dazu überreden, dann ja. Hat auch Spass gemacht, wenn sie meinem Kreuzzug hinzugestossen ist. Allerdings wurde vieles in Kombination mit ihrer Hexerin oder mit was auch immer sie da unterwegs war, lächerlich einfach. Nicht dass mich „Einfachheit“ in der Regel stört – es garantiert mir Fortschritt in einer Zeit, in der Zeit eben ein rares Gut ist, und ich mich nicht ständig an der gleichen Stelle abmühen möchte, nur weil ich „noch nicht verstanden habe, wie der Gegner funktioniert“. Das mag sich ein zwei Mal pro Jahr in einem Dark Souls-Spiel toll anfühlen.

Ansonsten bin ich mittlerweile sehr für die „Lass mich da einfach durch“-Methode. Hier teilweise einfach etwas too much… wenn wir zu zweit zu einem der vorletzten Bosse marschieren und der in ungelogen zwei Wimpernschlägen das Zeitliche segnet, dann frage ich mich schon, ob die Entwickler beim Balancing gepennt haben oder ob, um uns in die Welt von Diablo IV zu versetzen, es tatsächlich so einfach ist, sich in der Hölle eine solche Position zu ergattern. Ich meine, was hat man für Vorzüge, wenn man in den Rängen gleich unterhalb des Höllenfürsten verweilt? Bitches und Jungfrauen soweit das Auge reicht? Einen Chor aus V8-Eunuchen, die einem das Gute-Nacht-Liedchen vorsingen? Tote Dikatoren und Cäsaren, die dir jeden Morgen das Frühstück von McDonalds persönlich vorbeibringen?
Schlussendlich hätte so viel mehr aus Diablo IV werden können. Schade, dass Blizzard an den offensichtlichen Stellen nicht so sehr gefeilt hat und so viel Inhalte in einer so fahlen Hülle stecken. Hat dennoch Spass gemacht.
Si vis pacem, para bellum!
7.5/10